Wenn die Vergangenheit anklopft
Manchmal passiert etwas im Leben, das sich nicht wie ein normaler Termin anfühlt.
Nicht wie ein Job. Nicht wie eine Veranstaltung.
Sondern wie ein plötzliches Öffnen einer Tür, von der man gar nicht mehr wusste, dass es sie gibt.
So ging es mir am vergangenen Samstag in Graz.
Ich durfte das 70-jährige Jubiläum und die Neueröffnung von Räder Nais in der Puchstraße 172 moderieren – ein Familienunternehmen, das seit 1955 besteht und heute bereits in dritter Generation geführt wird.
Eigentlich hätte es „nur“ eine Moderation sein sollen.
Aber manchmal holt dich das Leben auf eine Weise ein, mit der du nicht rechnest.
Eine Reise zurück in meine früheste Kindheit
Der Geschäftsführer Bernhard Nais hatte mich gefragt, ob ich die Veranstaltung moderieren möchte, da wir uns seit meiner frühesten Kindheit kennen und gemeinsam im Sandkasten gespielt haben.
Und schon bei der Frage wurde mir klar: Das ist nicht irgendein Auftrag.
Bernhard ist das Enkelkind meiner damaligen Tagesmutter in Tobelbad (Steiermark).
Ich war zwei Jahre alt, als ich dort hinkam.
Fünf Jahre meiner frühesten Kindheit habe ich dort verbracht.
Fünf Jahre voller Gerüche, Stimmen, Nachmittage, Spielsachen, Gartenerde, Kakao, Polenta (oder Sterz, wie wir in der Steiermark sagen – mein damaliges Lieblingsessen), Kinderlachen.
Diese Zeit, die irgendwo tief im Inneren abgespeichert bleibt, obwohl man glaubt, vieles längst vergessen zu haben.
Und plötzlich steht man sich Jahrzehnte später wieder gegenüber.
Nicht mehr als Kinder.
Nicht mehr in Gummistiefeln im Garten und Indianerspielen im Wald.
Sondern als Erwachsene. Mit Beruf, Verantwortung, Geschichte, Narben, Erfolgen, Verlusten und einem ganzen Leben dazwischen.
Fast fünfzig Jahre.
Wenn man diese Zahl ausspricht, klingt sie nach „alt“.
Und gleichzeitig war da in manchen Momenten etwas, das sich überhaupt nicht nach fünfzig Jahren angefühlt hat.
Wie ein Portal in eine andere Zeit
Das Verrückte an solchen Begegnungen ist:
Die Menschen sehen anders aus. Natürlich.
Die Gesichter haben Geschichten bekommen.
Die Stimmen sind tiefer geworden.
Die Bewegungen ruhiger und der Körperumfang etwas stabiler.
Manche tragen heute Brillen. Andere graue oder gar keine Haare. Manche Menschen fehlen bereits. So wie auch meine geliebte Tante, wie ich meine Tagesmutter damals nannte. Eine ihrer Schwestern war auch da, und plötzlich kamen Erinnerungen an „Tante’s“ Gesicht wieder hoch, denn ihre Schwester sieht aus, als hätte man ihr Gesicht kopiert.
Und plötzlich erkennt man etwas wieder.
Nicht nur äußerlich.
Sondern vor allem energetisch.
Ein Blick.
Ein Lachen.
Eine bestimmte Art zu sprechen.
Ein Gefühl.
Es war, als würde plötzlich ein altes Kapitel meines Lebens wieder aufklappen.
Wie ein vergessenes Fotoalbum, das man öffnet und bei dem einem plötzlich ein Geruch oder ein Bild direkt ins Herz fährt.
Dort bei der Feier traf ich Menschen wieder, die ich seit ungefähr fünfzig Jahren nicht mehr gesehen hatte.
Unter anderem auch eine damalige Kindheitsfreundin, mit der wir als Kinder gemeinsam bei meiner Tagesmutter gespielt hatten.
Und plötzlich waren sie wieder da:
Bilder. Situationen. Gefühle.
Dinge, von denen man glaubt, sie wären längst verschwunden. Gefühlt habe ich in der Zwischenzeit schon fünf weitere Leben gelebt.
Was in fünfzig Jahren alles passiert
Wenn man Menschen nach so langer Zeit wiedersieht, wird einem bewusst, wie viel Leben eigentlich in einen Menschen hineinpasst.
Zwischen damals und heute liegen:
erste Lieben,
Abschiede,
Wohnorte,
Umzüge,
Karrieren,
Kinder,
Krankheiten,
Neuanfänge,
Selbstzweifel,
Mut,
Träume,
und manchmal auch komplette Richtungswechsel.
Man wird älter.
Aber gleichzeitig trägt man alle früheren Versionen von sich noch immer irgendwo in sich.
Das zweijährige Mädchen.
Die Jugendliche.
Die junge Frau.
Die heutige Frau.
Eine Veranstaltung zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Es war eine besondere Stimmung dort.
Fast wie ein Familientreffen.
Meine Mama kam später auch noch vorbei, weil sie die Familie natürlich ebenfalls seit damals kannte.
Es wurde erzählt, erinnert und auch gelacht.
Und gleichzeitig war da diese moderne, professionelle Business-Welt:
Internationale Gäste, Unternehmer, große Namen aus der Reifenbranche.
Unter anderem waren der CEO von #Pirelli Deutschland, Österreich und Dänemark, #EricVecchiet, vor Ort, ebenso #MichaelPeschek-Tomasi von Point S Österreich sowie #RalfKörbler, der GF von #Driver..
#BettinaZajac von Radio Steiermark hat von 13h-15h live die Moderation mit der Sendung „Wurlitzer“ übernommen. Sogar ein Musikwunsch mit einem Song von mir wurde gespielt, und zwischendurch hatte ich immer wieder dieses Gefühl:
Wie verrückt ist eigentlich das Leben?
Da steht man Jahrzehnte später als Moderatorin auf einer Bühne.
An einem Ort, der gleichzeitig Business-Event und Kindheitserinnerung ist.
Vielleicht verschwindet nichts wirklich
Ich glaube, genau das hat mich an diesem Abend so berührt.
Dass nichts wirklich verschwindet.
Menschen verlieren sich.
Wege trennen sich.
Leben entwickeln sich komplett unterschiedlich.
Und trotzdem bleiben manche Verbindungen irgendwo bestehen.
Wie feine Fäden.
Unsichtbar.
Aber nicht weg.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum uns solche Begegnungen emotional so treffen.
Weil sie uns erinnern, wer wir einmal waren.
Und vielleicht auch daran, dass unser Leben nicht nur aus Zukunft besteht.
Sondern auch aus all den Spuren, die hinter uns liegen.
Wenn die Vergangenheit dich einholt
Früher hätte ich gedacht, die Vergangenheit holt einen nur negativ ein.
Heute sehe ich das anders.
Manchmal holt sie dich ein, um dir zu zeigen, wie weit du gekommen bist.
Manchmal kommt sie zurück, um etwas in dir wachzurufen, das du fast vergessen hattest.
Und manchmal öffnet sich plötzlich für einen Moment ein kleines Portal zwischen damals und heute.
Und du stehst mittendrin.
Bekommst den Einblick in verschiedene Welten, und das gleichzeitig. So, als bestünde keine Zeit – als wäre alles auf einmal da…
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